Bauerngarten beim Tätschdachhaus

Wer südlich des Schlosses Schwarzenburg vorbeigeht, entdeckt beim wiedererbauten Tätschdachhaus einen mit geflochtenen Weidenruten umzäunten Garten.

Darin wird in etwa nachgebildet, wie die Bewohnenden des Tätschdachhauses Ende des 17. und im 18. Jahrhundert sich mit Nutzpflanzen versorgten. Gärten bei solch einfachen Häusern dienten der Versorgung mit Gemüse oder Heilpflanzen der meist ärmlichen Familien.  Für Prestige- und Wohlfühlgärten, wie wir sie heute gestalten, fehlte an solchen Orten die Zeit und das Geld.

Unbeliebtes Gemüse

Gemüse bereichert heute unsere Speisepläne – sie gelten als Superfood. Im 17. Jahrhundert ass man trotz Missernten und Hungersnöten nur geringe Mengen an Gemüse. Kohl, Hülsenfrüchte (wie Linsen), Erbsen, Ackerbohnen (Saubohnen) und Herbstrüben dienten als Beigemüse zu Suppen oder wurden bis zur Unkenntlichkeit zu Mus verkocht. Die damaligen Sorten waren wohl auch weniger bekömmlich als die heutigen. 

Flüchtende, etwa Hugenotten, und Reisläufer brachten neue Kenntnisse und in ihrem Gepäck Setzlinge und Saatgut aus südlicheren Ländern in die Schweiz. Von diesen Neuerungen im Gemüseanbau mag man im Schwarzenburgerland bis weit ins 19. Jahrhundert wenig genutzt haben. Erst Ende des 18. Jahrhunderts ersetzten Kartoffeln in den einfachen Gärten die Wurzel- und Kohlgewächse.

Bauerngarten beim Schloss Schwarzenburg
Bauerngarten beim Schloss Schwarzenburg
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Bauerngarten beim Schloss Schwarzenburg
Bauerngarten beim Schloss Schwarzenburg

Die Gestaltung und Pflege des im Frühjahr 2020 angelegten Gartens orientiert sich an früheren Zeiten. So werden neuere Gemüsearten, wie Tomaten, nicht angebaut.

Auf Kunstdünger und kunststoffene Hilfsmittel wird verzichtet. Bei Saat- und Pflanzgut setzt man auf althergebrachte Sorten. Der Garten soll aber seinen Bewirtschaftenden nebst Freude auch einen Nutzen bieten und köstliche Nahrung liefern.

Mitglieder des Naturschutzvereines Schwarzenburgerland schnitten im Winter die Ruten der Kopfweiden am Dorfbach entlang und machten sie mit dem Entfernen der Seitentriebe schlank zum Flechten. Eine Gruppe Unermüdlicher flocht dann im Frühjahr 2020 2'760 Weidenruten ein und setzte den schmucken Zaun. Dieser ist so gestaltet, dass er elementweise weggenommen werden kann.

Der Naturschutzverein Schwarzenburgerland sorgt im Auftrage der Stiftung Schloss Schwarzenburg für die Gartengestaltung und –pflege. Er hat diese Arbeiten an Familie Crepin, Lanzenhäusern, übertragen.

Projektleitung

Walter Frey

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